Durch Taufe nicht automatisch wiedergeboren – unbiblische Tauflehre

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Aber ich bin doch getaufter Christ! Geht mich dieses Thema überhaupt etwas an?

Hinweis: Im Unterschied zu den sechs vorhergehenden Antworten stammt die folgende nicht von dem Autor, sondern ausschließlich von Pfarrer Wilhelm Busch (1897-1966). Der bekannte Essener Pfarrer war – und ist durch seine weit verbreiteten Schriften bis heute – der wohl bekannteste kirchliche Evangelist. Vor allem sein Buch „Jesus unser Schicksal“, das bereits in 24 Sprachen übersetzt wurde und eine Gesamt-auflage von zwei Millionen Exemplaren hat, wird jedem sehr empfohlen. Die folgende Stellungnahme wurde – mit freundlicher Genehmigung des Verlags – auszugsweise der Monatsschrift „Licht und Leben“ entnommen, deren langjähriger Schriftleiter Pfarrer Wilhelm Busch war. Sie hat an Lebendigkeit und Aktualität nichts eingebüßt.

Antwort:

Wir protestieren! Wir erheben Einspruch! Wir können nicht mehr schweigen dazu, dass von der Taufe geredet wird in einer Weise, die sich zu einer ungeheuren Gefährdung für unbekehrte Menschenseelen auswächst Da ist irgendwo im Gottesdienst Taufe. Um den Taufstein stehen vor der versammelten Gemeinde die Eltern und die Paten. Es sind Leute, die man jahraus, jahrein nicht im Gottesdienst sieht. Gottes Gebote sind ihnen höchst gleichgültig. Nach dem Heil in Jesus Christus haben sie nie gefragt. Aber nun bringen sie ihr Kind zur Taufe. Und am Schluss der Taufe legt der Pfarrer dem Kind die Hand auf und sagt: „Einverleibt in den Leib Christi! – Versiegelt! – Gerettet!“ So ist es geschehen in einer Stadt die ich hier nicht nennen will.

Ich frage mich: Was geht im Herzen der Eltern und Paten vor? Vielleicht war ihr Gewissen einen Augenblick unruhig, als sie die Kirche betraten und daran dachten, wie sehr sie Verächter des Evangeliums sind. Doch nun hörten sie es, ja, dass sie durch ihre Taufe „in den Leib Christi einverleibt“ sind, dass sie versiegelt und gerettet sind. Da gehen sie beruhigt nach Hause und holen die Flaschen hervor, um die Taufe recht zu feiern.

Irgendwo halte ich eine Evangelisation. Ich warne die Menschen vor dem ewigen Verderben, bitte sie, den Schritt zu tun aus der Finsternis ins Licht Hinterher sucht mich ein empörter Pfarrer auf: „Wie können Sie so reden, als wenn diese Menschen in Gefahr wären, ewig verloren zu gehen?“

Ich antworte: „In dieser Gefahr sind sie. Wissen wir nicht mehr, dass wir die Menschen warnen müssen im Namen dessen, der gesagt hat: ,Fürchtet euch vor dem, der Leib und Seele verderben kann in die Hölle?‘ Hat nicht auch Petrus am Pfingsttag zu der Menge gesagt: „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht‘?“

Darauf antwortet der Pfarrer: „Die Leute, zu denen Petrus so gesprochen hat, waren nicht getauft. Unsere Hörer der Predigt sind getauft.“ In unzähligen Predigten bekommt die Gemeinde versichert: „Ihr dürft des Heils völlig gewiss sein, denn Ihr seid ja getauft. Schlagt nun alle Zweifel und alle Gewissensbeunruhigung nieder mit dem Blick auf Eure Taufe.“

Aus dem Glauben an den Herrn Jesus wird immer mehr ein Glaube an die Taufe. Da lehrt man die unbekehrten Sünder: „Eure Taufe ist Einverleibung in den Leib Jesu Christi. Eure Taufe ist Wiedergeburt. Ihr seid Eigentum Jesu Christi, weil ihr getauft seid.“

So haben die Apostel nicht gepredigt. Sie haben gesagt: „Wir ermahnen an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ Sie haben gerufen: „Lasst euch erretten aus diesem verkehrten Geschlecht.“ Solche Predigt ruft Widerspruch, aber auch geistliches Leben hervor. Wo man die Sünder vor dem Verderben warnt und sie aufruft, die freie Gnade Gottes in Jesus im Glauben zu ergreifen, da entsteht geistliches Leben. Aber wie selten ist das heute in der evangelischen Kirche geworden! Eine ungeheure Lähmung liegt über allem. Wie jämmerlich ist der Kirchenbesuch! Wie leblos sind die Gottesdienste! Wie kümmerlich die Bibelstunden! Wenn die alten Großmütter die Situation nicht retten würden, wäre kein Mensch da. Und wie krampfhaft sind alle Versuche, der Kirche auf andere Weise zum Leben zu verhelfen. Da werden Liturgien erprobt, neue Gesangbücher erfunden. Da wird alles diskutiert, was es in der Welt gibt, da werden Tanzkreise eingerichtet und Filmkreise gebildet Aber all das kann ja nicht verhüllen, dass der „Tod im Topf“ ist.

Und dies haben wir weithin der verderblichen Tauflehre zuzuschreiben. Lenin hat einmal gesagt: „Religion ist Opium für das Volk.“ Nun, die Tauflehre ist gewiss Opium für das Volk! Sollte je ein Gewissen beunruhigt sein – sollte je ein Mensch auf den Gedanken kommen, er müsse umkehren wie der verlorene Sohn – sollte je der Geist Gottes ein Herz erwecken -: dann wird es sofort narkotisiert mit der Botschaft: Du bist ja getauft. Es ist alles gut. Da legt sich das erwachte Gewissen wieder zur Ruhe, denn „der Pastor muss es ja wissen“. Ich bin überzeugt davon, dass in dieser Taufpraxis der Grund für die Lähmung liegt.

Was ist denn die Taufe nach dem Verständnis der Schrift? Wir wollen vor allem den Satz aufstellen: Die Taufe gibt nicht mehr, als das Wort Gottes auch gibt. Wer behauptet, dass die Taufe mehr gäbe als das Wort Gottes, der befaßt sich mit Magie, aber nicht mehr mit dem Evangelium. Hören wir doch endlich auf mit diesen abergläubischen Vorstellungen, als wenn an dem Kind irgendein geheimnisvoller Vorgang durch die Taufe vollzogen würde! Ich meine, es sei ganz herrlich und übergenug, wenn es über diesem Kind ausgesprochen wird: „Jesus starb für dich!“ Die Predigt aber hat Getaufte und Ungetaufte zu rufen, dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht.

Es ist den Leuten, die diese unbiblische Tauflehre verbreiten, übrigens auch nicht wohl bei der Sache. Mit wenig Ausnahmen sind die Menschen unserer Großstädte getauft. Und nun sehe man sich einmal das geistliche Leben dort an! Wie klein ist die Zahl wirklicher Christen! All die Hunderttausende, die jahraus, jahrein kein Wort Gottes hören, sollen Leute sein, welche in Christus einverleibt sind, sie sollen alle wieder geborene Menschen sein?

Man erklärt: „Die Taufe ist Wiedergeburt und Einverleibung in den Leib Christi.“ Wenn das wahr wäre – es ist nicht wahr! – dann müsste nicht nur ich, sondern jeder freie Mensch Einspruch erheben dagegen, dass man uns als unmündige Kinder so unerhört vergewaltigt hat. Wenn die Taufe solch eine verändernde Bedeutung hat, dann ist es eine Vergewaltigung des Menschen, wenn man diese Veränderung an ihm vollziehen lässt, ehe er denken und Stellung dazu nehmen kann.

Ich wiederhole: Es gibt eine Tatsache, die vor allem steht und der ich nicht entrinnen kann, nämlich: dass der Sohn Gottes für mich gestorben ist. Doch wenn ich dazu Stellung nehmen soll, dann muss diese Botschaft mir zuerst verkündigt sein, wie Paulus sagt „Der Glaube kommt aus der Predigt, die Predigt aus dem Wort Gottes.“ Aber es wäre ein Missbrauch mit mir getrieben, wenn man mich in den Leib Christi einverleibt hätte, ohne mir die Möglichkeit zu geben, diesen Vorgang im Glauben anzunehmen oder im Unglauben abzulehnen.

So weit Pfarrer Wilhelm Busch in der oben angegebenen Monatsschrift „Licht und Leben“ (Pfarrer Wilhelm Busch in der Zeitschrift „Licht und Leben“, Wuppertal, Jahrgang 1956, Seite 151-153. Vgl. hierzu auch Rieger, Ole Hallesby, a.a.O. S.275: „Hallesby sieht sich dazu verpflichtet, vor dem aufkeimenden neuen Kirchenverständnis zu warnen. Er weiß, dass in manchen Kreisen die Auffassung vertreten wird, die Kirche Jesu Christi sei die Versammlung der Getauften.
Hallesby entgegnet auf diese Erscheinung, dass es sich dabei um eine Irrlehre handelt, die ganz im Widerspruch zur Heiligen Schrift steht.“).

Anmerkung:

Obwohl Wilhelm Busch aus einer bekannten Pastorenfamihe stammte, hatte er in jungen Jahren mit dem christlichen Glauben nicht viel im Sinn. Wenn man dem jungen Offizier im Ersten Weltkrieg gesagt hätte: „Du wirst einmal in Kirchen predigen und das Evangelium verkündigen“, dann hätte er lauthals gelacht und abgewinkt, denn Gott interessierte ihn damals nicht.

Aber die große Wende kam schon bald. Beim Vormarsch auf Verdun erzählte er seinem Kameraden in einer kurzen Gefechtspause gerade einen schmutzigen Witz.

Doch der konnte nicht mehr lachen. In eben diesem Augenblick traf ihn ein Granatsplitter mitten ins Herz – und er brach tot zusammen. „Ich sehe mich noch an diesem Straßengraben stehen, als es mich wie ein grelles Licht, heller als der Atomblitz, überfiel: ,Der steht jetzt vor dem heiligen Gott!‘

Und die nächste Feststellung war: ,Wenn wir jetzt andersherum gesessen hätten, dann hätte es mich erwischt, und dann stünde ich jetzt vor Gott.‘ Da lag mein toter Freund. Und nach langen Jahren faltete ich zum erstenmal die Hände und betete nur:

„Lieber Gott, lass mich nicht fallen, ehe ich weiß, dass ich nicht in die Hölle komme.“

Einige Tage danach schloss er sich dann mit einem Neuen Testament in der Hand in einem kaputten französischen Bauernhaus ein, fiel auf seine Knie und betete: „Herr Jesus, in der Bibel steht, dass du gekommen bist von Gott, um ,Sünder selig zu machen‘.
Ich bin ein Sünder.
Ich kann dir auch für die Zukunft nichts versprechen, weil ich einen schlechten Charakter habe. Aber ich möchte nicht in die Hölle kommen, wenn ich jetzt einen Schuss kriege.
Und darum, Herr Jesus, übergebe ich mich dir vom Kopf bis zu den Füßen. Mach mit mit, was du willst!“ –
„Da gab’s keinen Knall, keine große Bewegung, aber als ich rausging, hatte ich einen Herrn gefunden, einen Herrn, dem ich gehörte.“

Und Wilhelm Busch hielt seinem Herrn die Treue. Als er nach dem Krieg Pfarrer wurde, hatte er zunächst in Bielefeld und dann bis an sein Lebensende in Essen Bergarbeitern und vor allem unzähligen jungen Menschen den Weg zu Jesus Christus gewiesen.
Anlässlich seiner Beerdigung auf dem Essener Ostfriedhof versammelte sich eine riesige Menschenmenge. Auf der Beerdigungsnachfeier brachte der spätere Bundespräsident Dr. Gustav Heinemann in einer Ansprache das Geheimnis dieses Mannes auf den Punkt:
„Wo er zugegen war, passierte immer etwas. Das Eigentliche an ihm aber war dieses, dass er ein glaubhafter und alle Vorbehalte durchstoßender Bote seines Herrn war.“

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