Erlauben Sie sich die Führungsrolle

Wie Sie einflussreicher werden

Von Ralf Senftleben • 14 Kommentare

Darf ich vorstellen, das ist Helena. Helena ist 33 Jahre alt und arbeitet in einem mittelständischen Betrieb. Sie leitet dort die Personalabteilung. Helena genießt den Respekt ihrer Chefs, Kollegen und ihrer Mitarbeiter. Sie wird von ihren Kollegen nicht nur in Personalfragen um Rat gefragt, sondern auch, wenn es um andere Unternehmensbereiche geht. Ihre Meinung zählt etwas in ihrem Betrieb. Zu wichtigen Meetings wird sie grundsätzlich eingeladen. Und jede wichtige Information landet irgendwie bei ihr.

Oder anders gesagt: Helena hat Einfluss. Sie kann mitgestalten. Sie kann ihre Wünsche und Ideen einbringen.

Wie kommt es eigentlich, dass manche Menschen mehr Einfluss haben als andere? Selbst dann, wenn jemand keine Chefposition innehat? Oder wenn derjenige nicht der reichste Bauer im Dorf ist?

Wieso haben manche Menschen Einfluss und werden gehört? Und andere dagegen nicht?

Das liegt wahrscheinlich daran, dass man sich unabhängig von seiner Position Einfluss auch verdienen kann.

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Und wie geht das? Wie wird man einflussreicher, selbst wenn man kein Amt innehat oder (noch) nicht den Chefhut aufhat?

Dazu hier einige Gedanken:
Erlauben Sie sich die Führungsrolle

Einfluss zu gewinnen, beginnt im Kopf. Wer Einfluss haben und ausüben möchte, muss sich das zuerst einmal selbst innerlich erlauben.

Hier hilft es, so etwas in der folgenden Art zu denken und auch zu glauben:

„Ich zähle. Ich bin kompetent. Meine Meinung zählt. Ich habe oft gute Ideen. Es ist gut für meine Umgebung, wenn ich meine Ideen einbringe und manchmal auch durchsetze. Ich darf Einfluss ausüben. Ich darf meine Umgebung mitgestalten.“

Haben Sie bei diesen Gedanken Bauchschmerzen? Dann erlauben Sie sich nicht, in Führung zu gehen und Ihren Einfluss auch auszuüben.

Vielleicht glauben Sie nicht an sich selbst. Oder vielleicht haben Sie auch Angst vor Ihrer eigenen Kraft. Oder Sie scheuen die Verantwortung, die Einfluss mit sich bringt.

Hier lohnt sich die Frage:

„Erlaube ich mir die Führungsrolle?“

Falls nicht, fragen Sie sich vielleicht „Warum nicht?“. Und versuchen Sie die inneren Widerstände und Blockaden aufzulösen, die zwischen Ihnen und Ihrer inneren Erlaubnis stehen. Oft ist das übrigens ein Selbstwertproblem.
Übernehmen Sie Verantwortung

Einfluss bringt Verantwortung mit sich. Wer Einfluss hat und ausübt, verändert seine Umgebung. Und für diese Veränderung trägt man Mitverantwortung. Im Guten, aber auch im Schlechten. Das heißt, wenn etwas schiefgeht, müssen Sie sich das dann vielleicht anhören. Und vielleicht müssen Sie auch für Konsequenzen einstehen. Dazu müssen Sie bereit sein.

Sind Sie dazu bereit? Dann tun Sie Folgendes, um die Verantwortung zu übernehmen:

Machen Sie es sich zur Aufgabe, sich um das Wohl Ihres Vereins, Ihrer Gemeinde, Ihrer Initiative, Bewegung, Ihres Betriebs oder Ihrer Familie zu kümmern.

Sagen Sie sich:

Das ist mir wichtig. Und ich engagiere mich dafür.

Tun Sie es, weil Ihnen die Sache wichtig ist und weil Sie es als Ihre Verantwortung begreifen. Tun Sie es nicht in erster Linie, um eine Gegenleistung zu bekommen. Klar formulierte Gegenleistungen sind manchmal wichtig, sollten aber vielleicht nicht Ihre wichtigste Triebfeder sein. Sonst ist Enttäuschung oft vorprogrammiert. Denn die Welt nimmt Engagement oft selbstverständlich und ist nicht selten undankbar.

Und übrigens bekommt man ja auch oft am meisten zurück, wenn man nur wenig als Gegenleistung erwartet. Das ist eine dieser paradoxen Geschichten des Lebens.

Fragen Sie hier also:

„Bin ich bereit, wirklich Verantwortung zu übernehmen, mit allen Konsequenzen, die das mit sich bringt?“
Machen Sie sich nützlich

Sobald Sie Ihre Führungsrolle und Ihre Verantwortung akzeptiert haben, gilt es, aktiv zu werden und zu handeln. Das tun Sie, indem Sie sich in Ihrer Umgebung nützlich machen:
Helfen und unterstützen Sie die Menschen in Ihrem Bereich (Firma, Gemeinde etc.) durch Rat und Tat.
Werden Sie zum Experten in dem Gebiet, in dem Sie Einfluss gewinnen wollen. Und geben Sie Ihr Expertenwissen freigiebig weiter.
Werden Sie zur Anlaufstelle, zum Multiplikator und zu einer Instanz in Ihrem Gebiet.

Aber tun Sie das alles nach Ihren Regeln und Prinzipien. Legen Sie vorher fest, was und wie viel Sie bereit sind zu geben. Legen Sie fest, was Sie bereit sind zu tun und was nicht. Sonst kann es schnell passieren, dass Sie ausgenutzt werden oder dass andere Sie für ihre Zwecke einspannen.

Legen Sie auch fest, was Sie als Gegenleistung für Ihr Tun erwarten. Und bringen Sie Ihre Erwartungen klar zum Ausdruck. Denn es ist unangenehm, wenn jemand etwas für uns scheinbar freiwillig tut und dann hinterher eine Gegenleistung fordert, die nicht vereinbart war.

Eine Stolperfalle gibt es hier übrigens: Nicht wenige Menschen versuchen mit Dingen nützlich zu sein, die andere gar nicht wollen oder brauchen. Nützlichkeit definiert sich aber durch die Nachfrage. Nützlich ist, was anderen in ihren Augen nutzt, Nicht das, was ICH denke, was andere brauchen. Seien Sie also nützlich, indem Sie Dinge tun, die andere als nützlich und wertvoll empfinden.

Indem Sie sich nützlich, ja vielleicht sogar unersetzbar machen, stärken Sie Ihren Einfluss auf Ihre Umgebung.

Fragen Sie sich hier:

„Wie kann ich mich in meiner Umgebung wirklich nützlich machen? Was kann ich besonders gut? Wie kann ich anderen besonders gut helfen? Was brauchen und wollen andere, was ich geben kann? Was wollen sie nicht von dem, was ich geben will?“
Stellen Sie gute Verbindungen zu Menschen her

Einfluss zu haben, bedeutet oft, die Meinung anderer Menschen zu beeinflussen und andere von den eigenen Ideen zu überzeugen. Das geht am besten, wenn man eine gute Verbindung zu anderen Menschen hat.

Und wenn man bei wichtigen Dingen um seine Meinung gefragt werden will, muss man zugänglich sein. Das heißt, andere müssen sich trauen, zu mir zu kommen, und der Kontakt mit mir muss angenehm sein.

Was hilft, eine gute Verbindung zu anderen Menschen aufzubauen und zugänglich zu sein? Dazu 5 wichtige Tipps:
Zeigen Sie sich menschlich. Stehen Sie zu Ihren eigenen Fehlern. Erwarten Sie von sich und anderen keine Perfektion.
Suchen Sie im Gespräch immer nach den Gemeinsamkeiten und nicht nach dem, wo Sie anders sind und was Sie anders sehen.
Schenken Sie den Menschen in Ihrer Umgebung Aufmerksamkeit. Hören Sie zu. Interessieren Sie sich für den anderen. Fragen Sie nach.
Seien Sie sehr, sehr sparsam mit Kritik und geben Sie gerne und bereitwillig ehrlich gemeintes Lob. Aber loben Sie auf Augenhöhe und nicht von oben herab.
Reden Sie mit anderen nie schlecht über Dritte. Ihr Gesprächspartner vermutet dann, dass Sie wahrscheinlich mit anderen auch schlecht über ihn sprechen.

Mit diesen 5 einfachen Verhaltensregeln können Sie die Verbindung zu anderen Menschen stark verbessern. Sind diese Regeln einfach umzusetzen? Für die meisten von uns eher nicht. Aber es lohnt sich, dieses Verhalten zu üben und zu trainieren. Denn je besser Ihre Verbindung zu anderen Menschen ist, desto einflussreicher werden Sie.

Fragen Sie sich hier doch einmal:

„Wie gut ist meine Verbindung zu anderen Menschen? Welche der obigen Regeln befolge ich bereits? (Bitten Sie hier auch Dritte um eine Einschätzung, wenn Sie sich trauen.) Und welche der Regeln könnte ich als Erstes üben und trainieren?“
Seien Sie kompetent

Wen fragen wir um Rat, wenn wir ein Problem haben? An wen wenden wir uns am liebsten? Wem vertrauen wir uns an? Wem trauen wir zu, dass er die Lage schon schaukeln wird?

Ganz einfach: jemanden, den wir für kompetent halten.

Aber wie bekommen Sie von anderen Kompetenz zugesprochen? Das geht so:
Werden Sie zum Experten in Ihrem Gebiet. Lernen Sie immer weiter dazu. Und gehen Sie wirklich in die Tiefe. Beschäftigen Sie sich auch mit den Sonderfällen und Ausnahmeregelungen. Werden Sie zum wandelnden Lexikon. Oder wenn Ihr Gebiet eher praktischer Natur ist, dann werden Sie ein wahrer Meister Ihres Handwerks.
Lernen Sie Ihr Wissen alltagstauglich zu vermitteln. Lernen Sie, Ihr Wissen so zu erklären oder vorzumachen, dass es auch ein 12-Jähriger verstehen würde.
Werden Sie kein Fachidiot. Bringen Sie immer auch in Erfahrung, wie man Ihr Wissen anwendet. Wie geht man am besten vor, wenn man XYZ erreichen will? Womit fängt man an? Wie geht es weiter? Welche Schritte sind sinnvoll? Worauf muss man aufpassen? Wo sind die Stolperfallen? Wissen zu haben ist prima. Aber ohne Umsetzungswissen ist alles nur graue Theorie. Werden Sie also zum Praktiker. Denn so können Sie anderen auch dabei helfen, Ihr Wissen in die Tat umzusetzen. Stichwort: Nützlichkeit.
Seien Sie kein Besserwisser. Viel zu wissen ist nützlich. Aber lassen Sie Ihr Wissen besser nicht ständig und nicht ungefragt vom Stapel. Damit kann man Menschen extrem nerven.
Aber bringen Sie Ihr Wissen dort ein, wo es angebracht und nützlich ist. Zeigen Sie dort, dass Sie etwas von Ihrem Fachgebiet verstehen. Helfen Sie anderen mit Ihrer Expertise. Zeigen Sie, was Sie können, nur wenn andere etwas davon haben.

Das ist ein Weg, von anderen als kompetent wahrgenommen zu werden. Und Kompetenz bringt Einfluss.

Hier könnten Sie sich fragen:

„Was ist meine Kompetenz? Wo kenne ich mich gut aus? Wo möchte ich mich gut auskennen und wie komme ich dahin? Wie kann ich meine Kompetenz alltagstauglich machen? Wie kann ich anderen mit meinem Wissen und Können helfen?“
Seien Sie integer

Um eine natürliche Autorität zu werden, braucht es Integrität, sonst vertrauen einem andere Menschen nicht. Und man kann noch so kompetent sein, aber wenn einem andere Menschen nicht vertrauen, werden sie nicht zu mir kommen und um Rat fragen.

Integrität, was bedeutet das? Wie wird man von anderen als integer wahrgenommen? Dazu wieder einige Hinweise:
Seien Sie Sie selbst (authentisch). Verstecken Sie sich nicht hinter einer Maske. Stehen Sie zu Ihren Fehlern. Zeigen Sie sich menschlich. Man muss bei Ihnen sehen: Was auf der Packung draufsteht, ist auch drin.
Seien Sie verlässlich. Halten Sie Ihre Absprachen und Versprechen. Tun Sie, was Sie angekündigt haben. Und wenn es mal ausnahmsweise nicht klappt, entschuldigen und erklären Sie sich, damit andere Ihre Unzuverlässigkeit einordnen können.
Seien Sie berechenbar. Wechseln Sie nicht jeden Tag Ihre Meinung oder Ihr Verhalten. Seien Sie nicht jeden Tag von einer anderen tollen neuen Idee begeistert.
Sagen Sie die Wahrheit. Behaupten Sie nichts, von dem Sie nicht wissen, dass es wirklich stimmt. Geben Sie zu, wenn Sie bei einer Sache unsicher sind. Wenn Sie beim Lügen erwischt werden, vertrauen Ihnen die Menschen nicht mehr.

Wer andere langfristig auf natürliche Art beeinflussen möchte, dem hilft Integrität weiter. Wir lassen uns lieber von Menschen beeinflussen, die ehrlich, verlässlich und vertrauenswürdig sind.

Fragen Sie sich hier:

„Bin ich integer? Bin ich meistens authentisch? Stehe ich zu meinen Fehlern? Bin ich verlässlich? Bin ich berechenbar und einigermaßen geradlinig? Bin ich ehrlich?“

Mehr Einfluss anzustreben ist ein wertvolles Ziel. Denn nur wenn wir Einfluss haben, können wir unsere Ideen vorantreiben und das in der Welt stärken, was uns wichtig ist. Manchmal müssen wir sogar Einfluss gewinnen, damit wir Missstände beseitigen können.

Wer sein Leben ändern oder sogar die Welt ein bisschen besser machen möchte, der braucht Einfluss. Und auf dem Weg helfen Ihnen vielleicht die obigen Ideen ein bisschen weiter.

-Kommentare
Siegfried schreibt am 27. November 2012 um 07:24

Hallo Ralf,
vielen Dank für den sehr inspirierenden Artikel. Für mich ist der erste Teil, das Erlauben der Führungsrolle ein sehr wichtiger Teil. Ich bin in zwei Vereinen aktiv und auch im beruflichen Bereich gibt es den ein oder anderen Teilbereich in dem ich gerne mitgestalten würde. Zum Teil gelingt mir das auch, weil meine Ideen gut sind und teilweise gelingt es mir nicht. Dort wo es mir nicht gelingt, sind ganz klar die Bereiche wo ich es mir nicht erlaube, die Führungsrolle zu übernehmen. Dabei sind die Gründe unterschiedlich. Entweder mag ich einem anderen nichts wegnehmen, der schon länger dabei ist oder ich bin mir aus seltsamen inneren Gefühlen heraus nicht sicher ob es mir zusteht, Einfluss zu nehmen, um zwei Beispiele zu nennen. Bei beiden Situationen sind die Gefühle tiefer verwurzelt und nicht wirklich angebracht. Und sie behindern extrem, auf jeden Fall mich, wenn nicht sogar das Wachsen der Gruppe. Wie Du zum Schluss auch sagtest, manchmal müssen wir sogar Einfluss gewinnen, damit wir Missstände beseitigen können. Dies ist ein motivierender Gedanke, der mir gefällt.
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Marcel Barros schreibt am 2. Dezember 2012 um 09:24

Hallo, mein Name ist Marcel Barros aus Luxemburg. Ich arbeite in einem Behindertenheim seit 7 Jahren als Hausmeister. Von Anfang an gefiel mir mein Job, ich gab immer mehr als erwartet, manchmal wurde ich gebremst, mir gefällt nicht wenn Mitarbeiter gegen die Direktion reden. Es ist nicht einfach Entscheidungen zu treffen. Wer was macht, darf sich auch mal irren. Ich kümmere mich um viele Angelegenheiten die mich „eigentlich“ nichts angehen. Ich tue das weil ich ein Verantwortungsgefühl habe, damit alles gut läuft. Jeder kennt mich in den verschiedenen Häusern des Behindertenheims, ich spreche die Leute gerne an, schenke jedem Aufmerksamkeit ,natürlich auch den Bewohnern-die Menschen mögen das. Vor 2 Wochen hatte ich einen Arbeitsunfall, fiel von einer Leiter und brach mir einen Wirbel. Nun sitze ich zuhause und warte auf die grosse OP. Mein Chef kam vorbei, mit einer Grusskarte von allen Chefs unterschrieben, meine Arbeitskollegen haben mir auch mehrere Grusskarten und Geschenke mitgebracht. Dies war für mich ein Zeichen dass die Leute mich mögen, alle vermissen mich schon. Wie Sie schon geschrieben haben: man wird „einflussreich“ wenn man mehr als erwartet, wenn man sich um die Vorgänge die um sich geschehen, interessiert und versucht mitzugestalten.
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Marita schreibt am 2. Dezember 2012 um 10:10

Hallo Ralf,
an dem was du schreibst, ist sicher etwas dran. Es kann aber auch sein, dass du kompetent bist, gern Verantwortung übernimmst und dich engagierst, dass das anderen aber -Mitarbeitern wie Chefs – ein Dorn im Auge ist und du ständig ausgebremst oder sogar gemobbt wirst. Und ich habe lange gebraucht, um eine Ahnung zu bekommen, warum das so sein könnte. Es ist wohl Angst, nicht mithalten zu können, Angst um die eigene Position oder Aufstiegsmöglichkeit o.ä. Und in so einem Fall tut man sich dann wohl gern einmal zusammen gegen einen anderen. Mir ging es so, dabei lag mir nichts daran, anderen das Wasser abzugraben oder selbst eine steile Karriere zu machen. Ich hatte einfach nur Freude an Engagement und meiner Arbeit.
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Marianne schreibt am 2. Dezember 2012 um 15:31

Hallo Marita,

auf genau die Probleme,
die du hier schilderst,
ist Ralf aber auch eingegangen.

Er hat sehr genau beschrieben,
wie Probleme bei der Übernahme von Verantwortung
bereits im Vorfeld verhindert werden können.

LG,
Marianne.
monika schreibt am 2. Dezember 2012 um 11:44

an mir selbst erlebte ich, dass es ein reifungsprozess ist, verantwortlich zu agieren, engagement wahrzunehmen und zu einer leitenden person zu werden.
es hängt auch sehr mit dem selsbtbewusstsein zusammen, und einfühlungsvermögen.

wenn ich ans enneagramm denke, zeigt mir das, dass nciht jeder mensch zu einer führungsrolle geeignet ist.so halt ich es für wichitg, dass jede/r seine begabung entdeckt und authentisch leben kann.
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Peter schreibt am 2. Dezember 2012 um 12:23

Das kann auch eine Falle sein. Ich selbst habe erlebt, dass ich von vielen Menschen ausgenutzt wurde bzw. mich habe ausnutzen lassen. Also habe ich die Notbremse gezogen und ziehe mich soweit zurück, dass ich nicht mehr die Anlaufstelle für alle und jeden bin. Funktioniert prima und schützt vor dem Ausbrennen.
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Marianne schreibt am 2. Dezember 2012 um 15:47

Hallo Peter,

dass die Gefahr des Ausnutzens besteht,
hat der Ralf auch beschrieben,
und gleichzeitig gab er dazu entsprechende
nachvollziehbare Ratschläge und Hinweise,
um das zu verhindern.

Gerade das ist das Tolle von Ralf`s Beiträgen,
dass er ein Thema von allen Seiten betrachtet.

LG,
Marianne.
Sandra schreibt am 2. Dezember 2012 um 12:54

Inspirierender Artikel – es wartet noch ein wenig Arbeit (an mir selbst) auf mich :-).
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mieke schreibt am 2. Dezember 2012 um 13:17

Ich finde diesen Artikel schwierig, denn meine Erfahrung zeigt, dass es nicht ausreicht zu schauen was für Persönlichkeitsmerkmale und Eigenschaften ein Person mit natürlicher Autorität besitzt um sie mir dann anzueigenen. Vorallem wenn die Motivation ist innerhalb eines Systhems aufzusteigen und mehr Einfluss zu gewinnen sind sie wahrscheinlich schon in ihrer Ehrlichkeit und Echtheit getrübt. Beispiele aus dem Artikel „Schenken Sie den Menschen in Ihrer Umgebung Aufmerksamkeit. Hören Sie zu. Interessieren Sie sich für den anderen. Fragen Sie nach.“ Das Interesse für die anderen darf, meines erachtens, nicht mehr und nicht weniger sein als das Interesse für die Anderen, also aus sich selbst motiviert sein. Alles andere, also auch das Motiv an seinen Möglichkeiten Einfluss zu gewinnen, ist hier falsch und wird auch wahrgenommen. Kurz: alle Ansätze die ein „um-zu“ Motiv beinhalten können nicht autentisch sein. (ich interesiere mich für die Menschen UM Einfluss ZU gewinnen) Ich glaube alle oben genannten Punkte sind Aspekte die dazu beitragen Einfluss zu gewinnen, aber nur aus sich selbst motiviert. (ich interessiere mich für die Menschen, weil ich die Menschen interessant finde, oder Ich teile mein Wissen, weil ich es gerne teilen möchte)
ich hoffe ich habe meinen Gedanken klar genug formuliert…
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Andrea Piro schreibt am 2. Dezember 2012 um 13:52

Verantwortung übernehmen, genau das halte ich für das allerwichtigste.
Wolfgang schreibt am 2. Dezember 2012 um 13:39

Ja, auch ich finde diesen Artikel anregend. Um sich jedoch nicht auf gefährliches Glatteis zu im Irrgarten der Hierarchien zu begeben, sollte jemand, der hervorragen möchte oder wird, auch seinen Chef/ seine Chefin für sich gewinnen. Eine weitere Handlungsleitlinie könnte also heißen: „Nimm‘ deinen Chef/ deine Chefin mit.“ Ohne ein Denken und Handeln in diese Richtung werden Rückschläge und Demotivation eine häufige Folge sein. Chef/ Chefin muss davon überzeugt sein, dass das, was ich als hervorragender Mitarbeiter mache, auch seinen/ ihren Interessen dient. Erst dann ist eine eigene Entwicklung in Richtung Exzellenz eingermaßen gesichert.
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Andrea schreibt am 2. Dezember 2012 um 14:44

es kommt mir sehr gelegen, dieses Thema hier einmal reflektieren zu können. Ich erlebe in meiner Firma, wie eine Kollegin sich zur „grauen Eminenz“ etabliert hat. Kennzeichnend war, dass sie sehr selbstbewusst auftritt, die Interessen einer bestimmten Kollegengruppe vehement vertritt und diese auch bis zu einem Tag X hinter sich hatte, bis das dann etwas gekippt ist. Auslöser war hier wohl ihre eigene Weiterbildung, inwieweit andere Dinge noch mit hineinspielten, kann ich jetzt nicht beurteilen.
Dem Gesamtteam hat das alles gar nicht gut getan, wir haben da jetzt eine recht massive Spaltung. Nach außen hin war das für den gesamten Bereich vom Image her auch nicht positiv. Das äußerte sich darin, dass erbetene Hilfen nicht oder nur schleppend gewährt wurden. Ich habe diesen sich über Jahre hinziehenden Prozess beobachtet und fand es schon erstaunlich, was ich da erlebte. Meine Versuche, auf etwaige Folgen hinzuweisen, blieben ungehört. Ich denke deshalb, dass ein ganzheitlicher, von Verantwortungsgefühl getragener Blickwinkel und dementsprechendes Handeln notwendig sind, ansonsten scheitert die Person irgendwann und es tut dem Ganzen nicht gut. In einem System wie einer Firma ist es wichtig, dass sich in den Schlüsselstellen Menschen befinden, die verantwortliches Handeln als Maxime haben und den schon erwähnten ganzheitlichen Blick, die Fachkompetenz haben und souverän auch selbst Hilfe annehmen können. Dann sind, glaube ich, die Chancen gut sich da im positivem Sinne einzubringen und mitzugestalten.
Antworten
Marianne schreibt am 2. Dezember 2012 um 15:23

Ja Ralf,

deine Ideen bestätigen unsere Erfahrung,
und helfen weiter.

Wieder gibst du sehr praktische, gut zusammen gefasste Ratschläge,
ohne Schnörkel und lange theoretische Diskussion.

Das schätzen wir so an dir.

Wieder ein hervorragender Beitrag von dir, Ralf.

Danke.

LG,
Marianne.
Antworten
Karin schreibt am 2. Dezember 2012 um 17:47

Also, wenn „Helena“ all diese Tipps beherzigt, und das tut sie ja wohl, sonst hätte sie nicht dieses Image im Betrieb,
dann wundert’s, dass sie immer noch nicht einen offiziellen „Chef-Hut“ und das passende Gehalt dazu hat.

Stattdessen taktiert und manipuliert (i.m.S. positiver Begriff) sie zum Wohle aller -ganz in der Weibchen-Rolle:
helfend, stützend, zuarbeitend, im Hintergrund wirkend-

Ich würde ihr dringend raten, sich mal auf dem Markt zu orientieren oder mit ihrem Chef ein offenes Wort zu reden und vorher auf ihren Gehaltszettel zu schauen.

http://www.zeitzuleben.de/21064-wie-sie-einflussreicher-werden/#weiter

STAND FOR WHAT IS RIGHT

“Blessed are those who are persecuted because of righteousness, for theirs is the kingdom of heaven.
Blessed are you when people insult you, persecute you and falsely say all kinds of evil against you because of me.” 

Matthew 5:10-11

Jesus assures his followers there is blessing in suffering for what is right. This blessing may take the form of inner peace and joy. This is the meaning of the word translated “blessed” or “happy” in Jesus’ teaching called the Beatitudes (Matthew 5:1-12).

The New Testament writer, James, indicates that pressures are blessings in disguise and should be responded to with joyfulness (James 1:2-3). The MESSAGE paraphrase translates the verses this way: “Consider it a sheer gift, friends, when tests and challenges come at you from all sides. You know that under pressure, your faith-life is forced into the open and shows its true colors.”

Helen Berhane was severely persecuted in Eritrea’s prison system because she would not deny her faith. No matter what they did, she refused to give in. She explains:

I told the chief, “I cannot abandon my faith. If you puncture a sack of grain, the only thing that pours out is the type of grain that was in the sack. It is the same with me. I can only say what is inside me; everything that is in my heart must come out of my mouth…The more you punish me, the stronger I will be. If you keep hammering on a nail’s head it just becomes harder to pull out of the wall…”

I could not understand how they expected me to stop believing; it was impossible for me. In fact, the guards were making their own situation worse, because people began to ask what was so special about this religion that Christians refused to give it up, and they also believed. Our suffering became a glory for our faith…I am convinced that the number of Christians has doubled or tripled since they closed the churches. So perhaps God is using this terrible situation for his glory.[1]

RESPONSE: Today I will stand for what is right because I know Jesus will be glorified and I will receive a blessing.

PRAYER: Ask God to give strength and courage to those around the world being pressured to deny their faith today.

1. Helen Berhane, Song of the Nightingale (Colorado Springs: Authentic Media, 2009), pp. 70-71.

Standing Strong Through The Storm (SSTS)
A daily devotional message by SSTS author Paul Estabrooks

© 2011 Open Doors International. Used by permission

THE WORK v. Byron Katie aus „Zeit zu Leben“

http://www.thework.com/deutsch/

http://www.thework.com/index.php

The Work: So funktioniert´s

Von Nicole Alps •

Vielleicht kennen Sie das auch. Sie ärgern sich über einen anderen Menschen oder über eine Situation, die Ihnen das Leben schwer macht.
Jemand fährt vorwärts in die Parklücke, in die Sie gerade rückwärts einparken möchten.
Sie haben es eilig und stehen in der Schlange an der Kasse und die Oma vor Ihnen zählt Cent um Cent auf den Kassentresen.
Die Abbestellung Ihres Zeitschriftenabos hat nicht funktioniert. Wieder kommt das neue Heft und eine Rechnung liegt im Briefkasten.
Am Nachbartisch im Café isst jemand ein köstlich aussehendes Stück Torte. Bei Ihrer Bestellung ist die Torte auf einmal „aus“.

Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, ärgern Sie sich vielleicht ab und zu auch mal über andere und denken zum Beispiel: Wenn der sich anders verhalten hätte, müsste ich mich jetzt nicht so ärgern. Wenn die Situation anders gelaufen wäre, könnte ich jetzt ganz entspannt sein. Ich glaube, so etwas kennt jeder.

Mit Problemen ist es eine merkwürdige Sache. Was für den einen problematisch ist, kann einem anderen völlig unerheblich erscheinen. Nicht jeder regt sich auf, wenn das gewünschte Tortenstück ausverkauft ist oder es an der Kasse länger dauert. Das liegt daran, dass wir Menschen sehr unterschiedlich sind und verschieden über das, was wir erleben, denken.

Eine denkt: „So ein Mist, ich wollte aber jetzt unbedingt das Stück Torte“, und ärgert sich über die Situation.

Ein anderer überlegt sich: „Schade, aber vielleicht schmeckt mir das andere Stück genauso gut oder auch noch besser“, und bleibt ganz gelassen.

Je nachdem, wie wir etwas bewerten, finden wir etwas problematisch oder eben nicht, regen uns auf oder bleiben gelassen.

Man kann also sagen: Probleme entstehen im Kopf. Wie wir über eine Situation denken, entscheidet darüber, als wie schwierig, belastend oder problematisch wir sie empfinden. Deswegen lohnt es sich, sein Denken in belastenden Situationen mal genauer unter die Lupe zu nehmen. So kann man nämlich öfter gelassener und entspannter mit Schwierigkeiten oder Ärgernissen umgehen. Das kann einem das Leben enorm erleichtern und verschönern.
The Work: eine Methode, um sich von belastenden Gedanken zu befreien

Bestimmt haben Sie schon mal von der Methode The Work von Byron Katie gehört. Falls nicht, lernen Sie diese einfache und leicht anzuwendende Methode heute kennen. Mit dieser Methode können Sie belastende Gedanken leichter loslassen, indem Sie Ihre Gedanken zuerst wahrnehmen und dann ganz genau untersuchen. Belastende Gefühle wie zum Beispiel Trauer, Wut und Enttäuschung blockieren Sie dann nicht länger und Sie werden wieder handlungsfähig. So können Sie sich dann wieder auf die Dinge konzentrieren, die Ihnen wirklich wichtig sind.

Bei dieser einfachen und doch so wirkungsvollen Methode stellen Sie zum Beispiel eine Person, mit der Sie etwas Belastendes erlebt haben, in den Mittelpunkt. Eine Person, auf die Sie beispielsweise wütend sind, über die Sie sich ärgern oder die Sie sehr verletzt hat. Sie können auch eine Situation nehmen, die belastende Gefühle bei Ihnen ausgelöst hat. In einem weiteren Schritt, der Bewertung, schreiben Sie auf, was Sie über diese Person oder Situation denken. Das machen Sie, indem Sie eine Reihe Fragen beantworten. Zum Beispiel: Was ärgert mich? Was macht mich traurig oder enttäuscht mich an der Person oder Situation?

Wenn Sie nämlich möglichst konkret aufschreiben, wie Sie über eine Person oder Situation denken, können Sie diese Gedanken in einem nächsten Schritt, der Überprüfung, genau untersuchen. Hierzu beantworten Sie sich dann selbst sechs Fragen:
Ist das wahr?
Kannst du absolut sicher wissen, dass das wahr ist?
Wie reagierst du auf diesen Gedanken?
Wer wärest du ohne diesen Gedanken?
Wie kannst du diese Aussagen umkehren?
Kannst du ein Fünkchen Wahrheit in der Umkehrung finden?

Wenn Sie diese Fragen beantworten, verändert sich dadurch Ihr Denken. Sie entspannen sich leichter, werden wieder handlungsfähiger und können die belastenden Gedanken einfacher loslassen.

Wie das genau funktioniert, ist jetzt vielleicht etwas schwer vorstellbar. Deswegen zeige ich Ihnen die Methode The Work nun an einem Beispiel.

Beispiel: Jana hat Peters Comic-Hefte weggeworfen.
Schritt 1: Sich entscheiden, für welche Person oder Situation Sie The Work machen möchten.

Peter ist sauer auf Jana, weil sie alte Comic-Hefte von ihm weggeworfen hat. Er will mit The Work seine Wut auf Jana loslassen.
Schritt 2: Bewertung – mit Hilfe von sechs Bewertungsfragen aufschreiben, was man über die Person oder Situation denkt.

Peter beantwortet die sechs Bewertungsfragen zu Jana und schreibt seine Gedanken über sie möglichst konkret auf.
Was ärgert mich, macht mich traurig oder enttäuscht mich an Jana? Was gefällt mir daran genau nicht?

Ich bin wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat. Es ärgert mich, dass sie nicht respektiert, was mir wichtig ist.
Wie sollte Jana sich ändern? Was will ich von Jana?

Ich möchte, dass sie die Finger von meinen Sachen lässt und mich fragt, bevor sie etwas von mir wegwirft.
Was genau sollte Jana tun, lassen, sein, denken oder fühlen? Was genau sollte in der Situation passieren?

Ich möchte, dass Jana mich respektiert und sich nicht in meine Sachen einmischt.
Was brauche ich von Jana? Was soll Jana mir geben oder für mich tun, damit ich glücklich bin? Was soll die Situation mir geben, damit ich glücklich bin?

Ich möchte, dass sie mir meine Freiheit lässt, mit meinen Sachen zu machen, was ich will.
Was denke ich über Jana?

Ich denke, Jana ist bestimmend, arrogant und aufdringlich.
Was will ich mit Jana nie wieder erleben?

Ich möchte nie wieder erleben, dass sie meint, zu wissen, was gut für mich ist.
Schritt 3: Überprüfung – die Gedanken mit Hilfe von sechs Überprüfungsfragen analysieren.

Peter analysiert in diesem Schritt seine Gedanken über Jana. Dazu nimmt er sich den ersten Gedanken auf seinem Bewertungsbogen und stellt sich dazu die Überprüfungsfragen.

Gedanke vom Bewertungsbogen: Ich bin wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat.
Ist das wahr?

Peter: „Ja, klar ist das wahr. Ich ärgere mich, dass sie meine Comic-Hefte weggeworfen hat.“
Kannst du absolut sicher wissen, dass das wahr ist?

Peter: „Na ja, klar ärgere ich mich darüber. Aber noch viel mehr ärgere ich mich darüber, dass Jana an meine Sachen gegangen ist und über meinen Kopf hinweg entschieden hat. Also, wenn ich es genau nehme … nein, es ist nicht so richtig wahr, dass ich mich darüber ärgere, dass sie meine Hefte weggeworfen hat. Ich ärgere mich eigentlich darüber, dass sie für mich entschieden hat.“
Wie reagierst du auf diesen Gedanken?

Peter: „Ich bin stinksauer. Ich fühle mich übergangen und hab das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden.“
Wer wärest du ohne diesen Gedanken?

Peter: „Wer wäre ich ohne diesen Gedanken ,Ich bin wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat‘? Hhmm, wenn ich diesen Gedanken nicht denken würde, würde ich gelassener und entspannter bleiben und könnte jetzt das tun, was ich eigentlich machen wollte, nämlich den Film angucken, auf den ich mich so gefreut hatte.“
Wie kannst du diese Aussagen umkehren?

Bei dieser Frage geht es darum, den Gedanken, der gerade analysiert wird, umzuformulieren, also umzukehren. Zum Beispiel formuliert man den Satz „Ich bin wütend, dass …“ um in den Satz „Ich bin nicht wütend, dass …“.

Peter: „Also der ursprüngliche Gedanke, zu dem ich diese Überprüfung mache, ist:

,Ich bin wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat.‘

Peter formuliert diesen Satz um, indem er sich selbst an die Stelle von Jana setzt und umgekehrt. Außerdem fügt er in einige Umkehrungen ein „nicht“ ein, um dem Satz eine gegenteilige Bedeutung zu geben. Auf diese Weise findet Peter fünf Umkehrungen:
Umkehrung: Ich bin wütend, weil ich meine Comic-Hefte weggeworfen habe.
Umkehrung: Jana ist wütend, weil ich meine Comic-Hefte weggeworfen habe.
Umkehrung: Jana ist wütend, weil sie meine Comic-Hefte weggeworfen hat.
Umkehrung: Jana ist wütend, weil ich meine Comic-Hefte nicht weggeworfen habe.
Umkehrung: Ich bin nicht wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat.

Die Frage nach der Umkehrung ist für die meisten Menschen eine der schwierigsten Fragen bei The Work, weil die Umkehrung einen herausfordert, das eigene Denken aus den eingefahrenen Bahnen herauszulenken. Gleichzeitig ist es sehr häufig auch der Schritt, der einem am meisten bringen kann. Weil genau dieser Schritt es möglich macht, dass man eine Situation oder Person auf einmal mit völlig anderen Augen sieht. Dadurch kann sich die Sichtweise grundlegend verändern und damit ändern sich dann auch die Gefühle und Gedanken. Belastendes wird weniger wichtig und Bereicherndes kann entdeckt werden. So ähnlich, wie wenn man eine völlig verschmierte Brille blank putzt und erst dann sehen kann, dass neben dem Schrotthaufen, der unmittelbar vor einem liegt, auch noch ein schöner Blumengarten oder ein interessantes Kunstwerk ist.

6. Kannst du ein Fünkchen Wahrheit in der Umkehrung finden?

Nachdem man mehrere Umformulierungen gefunden hat, stellt man sich die Frage, ob in dem umformulierten Satz nicht auch ein Fünkchen Wahrheit steckt. Entdeckt man nämlich ein klein wenig Wahrheit in einer Umkehrung, wird einem vielleicht klar: „Ein Teil von mir ist gar nicht wütend, sondern z. B. auch etwas erleichtert …“

Dies hilft einem dann, die Wut etwas loszulassen, weil man sieht, dass man eben nicht ausschließlich wütend ist, sondern auch ein wenig erleichtert. Erlaubt man sich selbst, diese beiden Aspekte nebeneinander zu sehen, entsteht eine größere Distanz zu der Wut und durch diese Distanz wird das belastende Gefühl, also die Wut, unbedeutender.

Dieses Umdenken ist jetzt vielleicht immer noch etwas schwierig vorstellbar, deswegen schauen wir uns das an Peters Beispiel genauer an.

Peter geht die einzelnen Umkehrungen durch und versucht herauszufinden, ob daran etwas Wahres sein könnte. Also ein Aspekt, bei dem er zum Beispiel sagt: „Okay, ja, so kann ich das auch sehen. Das ist auch ein Teil der Wahrheit.“
Umkehrung: Ich bin wütend, weil ich meine Comic-Hefte weggeworfen habe.Peter: „Ja, irgendwie stimmt das. Ich habe sie ja rumliegen lassen, sodass Jana überhaupt auf die Idee gekommen ist, die Hefte wegzuwerfen. Ich bin auch wütend auf mich, dass ich meine Comic-Hefte nicht ordentlich wegsortiert habe.“
Umkehrung: Jana ist wütend, weil ich meine Comic-Hefte weggeworfen habe.Peter: „Das stimmt schon. Jana hat schon zigmal gesagt, dass ich doch mal das Regal aufräumen möchte, damit wir dort endlich unsere CDs einräumen können. Jana ist also auch wütend.“
Umkehrung: Jana ist wütend, weil sie meine Comic-Hefte weggeworfen hat.Peter: „Jana ist auch wütend auf sich selbst, dass sie sie nicht einfach hat liegen lassen oder mich noch mal angesprochen hat. Jetzt bin ich wütend auf sie und das wollte sie ja überhaupt nicht.“
Umkehrung: Jana ist wütend, weil ich meine Comic-Hefte nicht weggeworfen habe.Peter: „Ja, klar. Jana ist wütend, weil ich mich nicht selbst drum gekümmert habe, die Hefte wegzuräumen und am besten auch wegzuwerfen.“
Umkehrung: Ich bin nicht wütend, weil Jana meine Comic-Hefte weggeworfen hat.Peter: „Also, wenn ich ganz ehrlich bin, ist ein Teil von mir nicht wütend, weil die Comic-Hefte jetzt im Müll liegen, sondern eher etwas erleichtert. Jetzt sind sie weg und ich brauch mich nicht mehr drum zu kümmern. Klar hätte ich sie gerne behalten, aber so richtig wusste ich auch nicht, wohin damit. Und mal ehrlich: Wenn sie mir so wichtig gewesen wären, hätten sie nicht schon seit zwei Jahren in dem Regal zwischen all dem Krempel rumgelegen, oder?“

Mit The Work sieht Peter seine Wut auf Jana aus unterschiedlichen Blickwinkeln, er merkt, wie sich jetzt schon etwas verändert hat. Er ist weniger wütend und versteht Jana auch besser.

Nachdem Peter nun zu dem ersten Satz seiner Gedanken, die er in Schritt 2 aufgeschrieben hatte, The Work gemacht hat, nimmt er sich den zweiten Satz vor: „Es ärgert mich, dass sie nicht respektiert, was mir wichtig ist.“ Peter stellt sich die Überprüfungsfragen nun zu diesem Satz:
Ist das wahr? …





Jetzt sind Sie dran

Sie haben jetzt gesehen, wie The Work funktioniert, und vielleicht haben Sie ja Lust, diese einfache Methode selbst auszuprobieren.

Schritt 1: Sich entscheiden, für welche Person oder Situation Sie The Work machen möchten.

Schritt 2: Bewertung – mit Hilfe von sechs Bewertungsfragen aufschreiben, was man über die Person oder Situation denkt.

Bewertungsfragen:
Was ärgert mich, macht mich traurig oder enttäuscht mich an _______? Was gefällt mir daran genau nicht?
Wie sollte _______ sich ändern? Was will ich von _______?
Was genau sollte _______ tun, lassen, sein, denken oder fühlen? Was genau sollte in der Situation passieren?
Was brauche ich von _______? Was soll _______ mir geben oder für mich tun, damit ich glücklich bin? Was soll die Situation mir geben, damit ich glücklich bin?
Was denke ich über _______? (Machen Sie eine Liste.)
Was will ich mit _______ nie wieder erleben?

Schritt 3: Überprüfung – die Gedanken mit Hilfe von sechs Überprüfungsfragen analysieren.

Überprüfungsfragen:
Ist das wahr?
Kannst du absolut sicher wissen, dass das wahr ist?
Wie reagierst du auf diesen Gedanken?
Wer wärest du ohne diesen Gedanken?
Wie kannst du diese Aussagen umkehren?
Kannst du ein Fünkchen Wahrheit in der Umkehrung finden?

Wenn Sie den ersten Satz Ihrer Gedanken mit Hilfe der Überprüfung untersucht haben, nehmen Sie sich den zweiten Satz vor und gehen Sie wieder zu Schritt 2.

Probieren Sie es doch ruhig mal aus. Falls Sie das Gefühl haben, dass sich beim ersten Mal noch nicht so richtig viel verändert, versuchen Sie es am nächsten Tag ruhig wieder. Denn The Work funktioniert, wie die meisten Dinge im Leben, mit etwas Übung immer leichter und besser.

Die Methode The Work wurde von Byron Katie entwickelt. Wenn Sie mehr über The Work und Byron Katie erfahren möchten, dann schauen Sie doch mal hier: http://www.thework.com/deutsch/